Die Skat-Champions

INTERVIEW
Werner Magdzinski, der mit seiner Mannschaft völlig überraschend die Champions League im Skat gewann, über zwei aufregende Tage beim internationalen Turnier in Magdeburg.

Holger Reske, Michael Kerkhoff, Werner Magdzinski und Dirk Hebink (v.l.) konnten überraschend den Champions League-Pokal der Skatspieler in Empfang nehmen.

INFO
Werner Magdzinski, Holger Reske, Michael Kerkhoff und Dirk Hebink traten für die Mannschaft des SSV Post Oberhausen bei der Skat- Champions-League an. Sie siegten mit 21 492 Punkten vor Minicar Pforzheim mit 21 412 Punkten und Karo As Meerbusch mit 21 368 Punkten. Bestes ausländisches Team war ISPA Belgium I auf dem 6. Platz mit 20 603 Punkten. Holger Reske gewann den Einzeltitel mit 6601 Punkten.

Bayern München ist am AC Mailand gescheitert, Werder Bremen an Juventus Turin – im Fußball hatten deutsche Mannschaften in der Champions League nichts zu bestellen. Ganz anders ist das im Skat. Hier hat sich gerade die Mannschaft von SSV Post Oberhausen den Champions League-Titel gesichert. Mit zu Team gehörte der Dinslakener Werner Magdzinski. Jörg Werner sprach mit ihm über das Turnier, das zwei Tange lang im Maritim Hotel in Magdeburg ausgespielt wurde.

Herr Magdzinski, Champions League im Skat– wie muss man sich das vorstellen, spielen sie auch gegen Mannschaften aus Turin und Mailand?

Magdzinski
Dazu muss man wissen, dass es hier in Deutschland zwei Skatverbände gibt, den Deutschen Skatverband und die International Skat Players Association, im DSkV sind ausschließlich deutsche Mannschaften, die ISPA ist international aufgestellt. Sie hat Mitgliedsvereine in der ganzen Welt. Diese beiden Verbände haben irgendwann beschlossen, eine gemeinsame Veranstaltung aufzuziehen. So entstand die Champions League.

Hier spielen jeweils 24 Mannschaften des DSkV und der ISPA um den Titel. Jetzt in Magdeburg waren zum Beispiel neben den deutschen Vereinsmannschaften auch Ländermannschaften aus Belgien, Polen, Dänemark, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden dabei.

Wie ist Ihr Team zur Teilnahme gekommen?

Magdzinski
Das ist ja das eigentlich Sensationelle. Wir waren gar nicht qualifiziert, sondern sind für ein Team nachgerückt, das ausgefallen ist. Eigentlich spielt unsere Mannschaft zurzeit in der Regionalliga – leider sind wir im vergangenen Jahr etwas unglücklich aus der Zweiten Bundesliga abgestiegen. Und wir als Regionalligamannschaft haben dann die Champions League gewonnen.

Das ist ungefähr so, als hätte Alemannia Aachen im Fußball tatsächlich den UEFA-Cup geholt. So einen Erfolg werden wir wohl nie mehr erreichen. Unser Mitspieler Holger Reske hat sich ja auch noch den Einzeltitel erspielt.

Entsprechend stolz sind sie jetzt ja wohl?
 

Magdzinski
Natürlich und auch noch ein bisschen verblüfft. Ich habe schon nach dem ersten Spieltag, nach dem wir in Führung lagen, die Turnierleitung gebeten, mir die Tabelle mit dem Zwischenstand auszudrucken. Dann haben wir was, was wir zu Hause vorzeigen können, habe ich mir gedacht. Und dann haben wir diese Führung tatsächlich verteidigen können und den Titel geholt. Mit so etwas war vorher absolut nicht zu rechnen. Und wenn man sich den Abstand zu den Zweit- und Drittplatzierten anguckt, sieht man, wie knapp es ausgegangen ist. So wenig Punkte Abstand – das ist wie wenn es beim 10 000-Meter-Lauf zum Entscheid durch ein Zielfoto kommt.

Ihre Mannschaft spielt in der Regionalliga.Das heißt also, dass Sie auch regelmäßig trainieren müssen. Wie viel Zeit müssen Sie für Ihr Hobby aufwenden?

Magdzinski
Na ja, bei uns ist das nicht so wahnsinnig zeitaufwändig. Wir haben regelmäßig am Montag unseren Trainingsabend, dazu kommen dann die Ligaspiele, aber das sind längst nicht so viele wie etwa in der Fußballbundesliga. Spitzenteams, von denen ja viele in Magdeburg angetreten waren, treiben da wesentlich mehr Aufwand. Die spielen nahezu jede Woche ein großes Turnier.

Lässt sich der Erfolg nur mit Training erreichen oder braucht es nicht doch auch ein gewisses Naturtalent?

Magdzinski
Es ist beides. Zum Skat spielen braucht man ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit, man braucht ein gewisse mathematische Begabung, und man muss die Karten gut nachhalten können. Mit Training lässt sich erreichen, dass Abläufe in bestimmten Spielsituationen automatisiert abgerufen werden.

960 Spiele hat Ihr Team in Magdeburg absolviert. Das schlaucht doch ganz schön?

Magdzinski
Ja sicher, wir haben an den einem Tag sechs Stunden reine Spielzeit hinter uns gebracht, am nächsten Tag noch einmal vier Stunden. Das ist für alle Mannschaften anstrengend. Da kann man schon beobachten, dass bei dem ein oder anderen Spieler die Konzentration nachlässt, und dann häufen sich natürlich die Fehler.

Was sind jetzt Ihre nächsten sportlichen Ziele?

Magdzinski
Wir wollen den Wiederaufstieg in die Zweite Bundesliga schaffen. Das ist in dieser Saison zwar theoretisch noch möglich, wird aber sehr, sehr schwer. Und wir haben uns für die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im Oktober in Mainz qualifiziert. Dort wollen wir natürlich möglichst gut abschneiden.